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Vortrag zu strategischen Herausforderungen der Automobilindustrie

Deutsche Automobilindustrie quo vadis?

Für einen Vortrag zu strategischen Herausforderungen der Automobilindustrie konnte Prof. Dr. Nina Leffers den Branchenexperten Dr. Martin Koers gewinnen, langjähriger Geschäftsführer und ehemaliger Abteilungsleiter für Wirtschafts- und Klimaschutzpolitik im VDA (Verband der Automobilindustrie).

Mit einem engagierten Vortrag zu Chancen und Risiken, denen die deutsche Automobilindustrie aktuell begegnet, gelang es Dr. Koers im Rahmen der Vorlesung „Internationale Unternehmensführung“ im Bachelorstudiengang Europäische Betriebswirtschaft über 40 Studierende zu begeistern.

Die Automobilindustrie, so die einleitende These des Referenten, sieht sich einer Situation ausgesetzt, die noch nie so krisenbehaftet war wie die heutige – Kriege, Unsicherheiten, Lieferengpässe – und gleichzeitig werden von ihr transformationsbedingt so hohe Investitionen gefordert wie noch nie – in neue Antriebsstränge, das digitale Ökosystem und autonomes Fahren.  

Trotz dieser vermeintlich herausfordernden Situation, in der sich die deutschen OEMs und ihre Zulieferer befinden, zeichnete der Referent ein optimistisches Bild. Er beleuchtete dabei vier zentrale Erfolgsfaktoren – globale Präsenz, Innovationskraft, starke Marken und exzellente Mitarbeitende - die die Industrie lange Zeit getragen haben und dies, so seine These, auch in Zukunft tun können – wenn es gelingt, die Weichen richtig zu stellen:

 

Erfolgsfaktoren der deutschen Automobilindustrie

1. Eine starke globale Präsenz sowohl im Hinblick auf die Absatz- als auch die Beschaffungsmärkte war jahrelang wichtiger Erfolgsfaktor der deutschen OEMs. Hier, so Koers, zeige sich ein rasantes Aufholen der chinesischen Wettbewerber – sowohl im Absatz, aber auch in der Dominanz der Beschaffungsmärkte. China wird zum Netto-Exporteur für Autos, gewinnt rasant Marktanteil im Bereich der E-Fahrzeuge und ist wichtigster Lieferant für Traktionsbatterien und seltene Erden weltweit. Daher sei es außerordentlich wichtig, die Türen zu ausländischen Märkten aufzuhalten. Aufflammender Protektionismus einiger Staaten sei keine Antwort und richte nur unnötigen Schaden an, stattdessen bedürfe es neuer Freihandelsabkommen mit wichtigen Partnern wie etwa den USA und Wachstumsländern Asiens.

2. Auch die Innovationskraft, langer zentraler Erfolgstreiber der deutschen Industrie über die gesamte automobile Wertschöpfungskette hinweg, beleuchtete der Referent kritisch und sprach über die Herausforderung, weiterhin Vorreiter für technische Innovation zu sein. Dabei stünden Themen rund um den Klimaschutz und Möglichkeiten der Digitalisierung im Zentrum der Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten. Aus seiner Sicht sei eine Umstellung auf batterieelektrisch betrieben Fahrzeuge nur eine von mehreren möglichen Antworten und die richtige Planung und Fristigkeit des Verbrennerausstiegs entscheidend.

3. Starke Marken, die mit ihren Premiumprodukten auch Premiumpreise durchsetzen können, sind und bleiben Erfolgsfaktor der deutschen Automobilindustrie. Dabei meint starke Marke nicht nur die OEMs, sondern auch die zahlreichen Hidden Champions im deutschen Mittelstand, die zum Erfolg der Industrie beitragen.

4. Gut ausgebildete Mitarbeitende, nicht nur Ingenieuer:innen, sondern im dualen Ausbildungssystem erstklassig ausgebildetete Facharbeiter:innen stellte der Referent als einen der wichtigsten Assets Deutschlands in der Vergangenheit heraus. Angesichts einer unausgewogenen Bevölkerungspyramide und Fachkräftemangel sei hier von großer Bedeutung, durch kluge Migrationspolitik und das Anwerben geeignetere Arbeitskräfte diese Lücke für die Zukunft zu füllen.

Sein Fazit „Wir müssen uns wandeln, um erfolgreich zu bleiben und bei diesem Wandel spielt die Umsetzungsgeschwindigkeit gerade im internationalen Wettbewerb mit China und den USA eine große Rolle“.

 

Einblick in die Relevanz von Industriepolitik

Über die Einblicke in die Herausforderungen für die Automobilindustrie hinaus zeigte Dr. Koers auch die Bedeutung der engen Verbindung von Industrie, Politik und Sozialpartner in Deutschland auf und verdeutlichte die Rolle deutscher Industriepolitik. Er gab interessante Einblicke in die politischen Interessenvertretung in Berlin und Brüssel und ermutigte dabei die Studierenden bei der künftig anstehenden Berufswahl auch in Richtung der Verbandslandschaft zu schauen.

Die Integration von Gastvorträgen ist ein wichtiger Bestandteil der praxisorientierten Lehre an der Fakultät BW der OTH Regensburg.

 

Branchenexperte Dr. Martin Koers, langjähriger Geschäftsführer und ehemaliger Abteilungsleiter für Wirtschafts- und Klimaschutzpolitik im VDA (Verband der Automobilindustrie). Foto: Martin Koers
Branchenexperte Dr. Martin Koers, langjähriger Geschäftsführer und ehemaliger Abteilungsleiter für Wirtschafts- und Klimaschutzpolitik im VDA (Verband der Automobilindustrie). Foto: Martin Koers
Vortrag von Dr. Martin Koers. Foto: Nina Leffers
Vortrag von Dr. Martin Koers. Foto: Nina Leffers